Startseite » Katalog » Geschichte der Süßwaren
Durch die Kreuzfahrer kam der Zucker im Hochmittelalter nach Europa. Der Haupt-
umschlagsplatz war Venedig. Erst 1747 wurde der Zucker in der Zuckerrübe, damals noch Runkelrübe, entdeckt. Zuvor haben die Menschen mit Honig gesüßt und auch, als der Zucker den Weg nach Europa fand, war Honig noch das am meisten zur Verfügung stehende Süßungsmittel. Zucker dagegen erfreute nur die Gaumen der Obersten. (vgl. Wikipedia, Artikel: Zucker, Rohrzucker, Zuckerrübe)
Confect war die nachweislich gebräuchliche Bezeichnung für Süßwaren in einer Zeit des Mittelalters und danach. So schreibt Marx Rumpolt 1581 in "Ein new Kochbuch", Blatt CLXXIX, von "Zuckerconfect auß der Apotekcen" (zitiert in Lutz, 2005, S. 100) und zählt hiervon "...über 20 verschiedene Sorten (...) auf: Mandeln, Anis, Zimmetrinde, Nelken, Korianderkörner, Kümmel, Fenchel, Wallnüsse, Haselnüsse, Pfirsichkerne, Zitronenschale, Aprikosenkerne, Pflaumenkerne, Kirschkerne, Pomeranzenschale, Limonenschalen, Zichorienwurzel, Bibernellwurzel, Alantwurzel, Zuckerwurzel, Veilchenwurzel, Ingwer und andere wohlriechende Wurzeln. (...) Wer sich jetzt über kandierte Kirsch-, Pflaumen-, Aprikosen- und Pfirsichkerne wundert sollte wissen, dass das Innere der harten Kerne verwendet wurde." (Lutz, 2005, S. 100)
Das so genannte "kleine mit Zucker überzogene Confect" wurde tatsächlich in der Apotheke erworben. ( vgl. Homolka, 1989, S. 68 in vgl. Lutz, 2005, S. 101) "Die Ratsapotheke in Lüneburg führte im Jahr 1485 14 verschiedene Confectsorten (...) Der Preis für für ein Pfund (483 g) dieser Leckereien betrug damals zwischen 10 und 12 Schilling. (...) Für diesen Betrag musste ein (...) Maurermeister vier Tage lang arbeiten. Auch hatten zwei Schafe den Gegenwert von 12 Schilling." ( vgl. Homolka, 1989, S. 68 in Lutz, 2005, S. 101)
In unserer heutigen Zeit ist im alltäglichen Leben nur noch eine Ahnung dessen übriggeblieben, nach was sich der Gaumen weit früherer Generationen sehnte. Zitronat und Orangeat wird als Beispiel hierfür von dem Autor des von mir dier des öfterern zitierten mittelalterlichen Kochbuches, Peter Lutz, genannt. - "Das sind kandierte Schalen besonderer Zitronen- und Orangensorten - versteckt in Lebkuchen und Stollen." (Lutz, 2005, S. 100) Marzipan hat übrigens über die Jahrhunderte hindurch bestand gehabt (vgl. ebd.) - "eine (...) Mischung aus gemahlenen Mandeln und Zucker." (ebd.)
"Jedes mittelalterliche Mahl (sollte) immer mit Confect abschließen. Wie damals ist es einfacher, diese Genussmittel einzukaufen, als sie selber herzustellen." (ebd.)
Entfernen wir uns vom Zeitalter des Mittelalters hin zum Barock und entdecken die Schokolade. Um sich mit der Geschichte der Schokolade zu befassen, muss zunächst die Historie der Kakaobohne an sich besehen werden. Die Kakaopflanze, die bei den Mayas den Namen kawkaw trug, (vgl. Wikipedia, Kakao, Diskussion) und von den Atzteken cacahuatl genannt wurde gelangte schließlich nach der gewaltsamen Eroberung Mexikos durch die Spanier in 'die alte Welt'. (vgl. Schönfeldt, in Schuhmacher u. a., 1996, S. 7)
Die Kakaobohnen wurden bei Mayas und Azteken nach der Fermentation "geröstet, geschält und im Mörser zerrieben, zu faustgroßen Kugeln geformt, von denen man bei Bedarf ein Stück abbrach und mit kaltem Wasser verquirlte. Wer sonst nichts hatte, setzte etwas Maismehl zu. Wer es sich leisten konnte, süßte die Mischung mit Honig oder würzte sie mit Chillies." (ebd. S. 8) Aus diesem cacahuatl wurde xocolatl hergestellt, indem das kalte Wasser aufgeschlagen wurde, in dem der Kakaogrieß kurzfristig länger schwebte, als im cacahuatl. (vgl. ebd. S. 9) "'Xoco' heißt bitter und 'atl' Wasser." (ebd.) Bei den Mayas und Azteken wurde die Kakaobohne im Übrigen nicht nur als Nahrung, sondern auch als Zahlungsmittel verwendet. (vgl. ebd. S. 7) "Die Spanier (...) entwickelten eine Vorliebe für diesen neuen Trank." (Schönfeldt, in Schuhmacher u. a., 1996, S. 10) Sie "...ließen ihn jedoch nicht mehr mit kaltem, sondern mit kochendem Wasser aufgießen und quirlen." (ebd.)
"In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts" (ebd.) war Kakao bereits zu dem Getränk für die Reichen avanciert und so auch zum "Mittelpunkt der Damengesellschaft". (Schönfeldt, in Schuhmacher u. a., 1996, S. 10) "Zu dieser Collation versammelten sich die Damen am späten Nachmittag in großen, luftigen Sälen, Scharen von Kammerfrauen trugen Silberschüsseln herein, die mit trockenen Konfitüren gefüllt waren. Jede Süßigkeit war in Goldpapier eingewickelt, damit man sich Finger und Taschentuch nicht beschmutzte, und dazu wurde das junge Nationalgetränk, die Schokolade, herumgereicht." (ebd.) Hier eine zeitgenössische Aussage der Madame D'Aulnoy: Eine jede Tasse von Porzellan stand auf einer Untertasse von Achat, mit Gold eingefasst, wobei jedesmal eine Zuckerdose von gleicher Arbeit stand. Es war da Schokolade mit Eis, warme Schokolade und solche mit Eiern und Milch. Es gibt Frauenzimmer, welche sechs Tassen nacheinander trinken können." (zit. in Schönfeldt, in Schuhmacher u. a., 1996, S. 10, 11) Das neumoderne Getränke wurde mit allen verfügbaren Gewürzen versetzt, machmal sogar schon mit Zucker. Der Kakao wurde aber weiterhin mit Wasser getrunken. Etwas später konnte durch den Zusatz von Milch und Zucker der Kakao seine wahre Köstlichkeit erst wirklich entfalten. (vgl. ebd. S. 13)
"Wer auf die Idee kam (...) zart schmelzende (...) Schokolade zu machen, ist umstritten. Sicher ist jedoch, dass die Schokoladenmasse zuerst nur weiterhin dazu diente, ein Getränk herzustellen, ein Getränk für die Oberen Zehntausend, das im Barock an Fürstenhöfen, im Biedermeier aber in ganz Europa genossen wurde." (ebd.) 1708 wurde in einem Buch über Kakao geschrieben: "Die Schokolade ist eine Art feste Paste, welche aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt ist. Der Hauptbestandteil ist Kakao. Die anderen pflanzlichen Bestandteile sind Vanilleschoten, Zucker, Zimt, mexikanischer Pfeffer, Gewürznelken, einige fügen auch Orangenblütenwasser zu, Muskat oder dunkle Ambra. Die gute Schokolade ist diejenige, die nicht älter als zwei oder drei Monate ist und die keineSchimmelflecken aufweist und auch keine Altersflecken, noch durchlöchert oder angebohrt durch kleine Insekten, die sich in überalterter Ware entwickeln können. Sie darf nichts beim Verzehr an sich haben, was geschmacklich widerlich ist und die Gewürze zu stark vorschmecken lässt. Es ist außerdem notwenig, dass man beim Abkosten einen Geruch wahrnimmt, der nicht ranzig ist und nicht nach Säure schmeckt." (zit. in ebd.)
Süßwaren der alten und neuen Zeit
umschlagsplatz war Venedig. Erst 1747 wurde der Zucker in der Zuckerrübe, damals noch Runkelrübe, entdeckt. Zuvor haben die Menschen mit Honig gesüßt und auch, als der Zucker den Weg nach Europa fand, war Honig noch das am meisten zur Verfügung stehende Süßungsmittel. Zucker dagegen erfreute nur die Gaumen der Obersten. (vgl. Wikipedia, Artikel: Zucker, Rohrzucker, Zuckerrübe)
Confect war die nachweislich gebräuchliche Bezeichnung für Süßwaren in einer Zeit des Mittelalters und danach. So schreibt Marx Rumpolt 1581 in "Ein new Kochbuch", Blatt CLXXIX, von "Zuckerconfect auß der Apotekcen" (zitiert in Lutz, 2005, S. 100) und zählt hiervon "...über 20 verschiedene Sorten (...) auf: Mandeln, Anis, Zimmetrinde, Nelken, Korianderkörner, Kümmel, Fenchel, Wallnüsse, Haselnüsse, Pfirsichkerne, Zitronenschale, Aprikosenkerne, Pflaumenkerne, Kirschkerne, Pomeranzenschale, Limonenschalen, Zichorienwurzel, Bibernellwurzel, Alantwurzel, Zuckerwurzel, Veilchenwurzel, Ingwer und andere wohlriechende Wurzeln. (...) Wer sich jetzt über kandierte Kirsch-, Pflaumen-, Aprikosen- und Pfirsichkerne wundert sollte wissen, dass das Innere der harten Kerne verwendet wurde." (Lutz, 2005, S. 100)
Das so genannte "kleine mit Zucker überzogene Confect" wurde tatsächlich in der Apotheke erworben. ( vgl. Homolka, 1989, S. 68 in vgl. Lutz, 2005, S. 101) "Die Ratsapotheke in Lüneburg führte im Jahr 1485 14 verschiedene Confectsorten (...) Der Preis für für ein Pfund (483 g) dieser Leckereien betrug damals zwischen 10 und 12 Schilling. (...) Für diesen Betrag musste ein (...) Maurermeister vier Tage lang arbeiten. Auch hatten zwei Schafe den Gegenwert von 12 Schilling." ( vgl. Homolka, 1989, S. 68 in Lutz, 2005, S. 101)
In unserer heutigen Zeit ist im alltäglichen Leben nur noch eine Ahnung dessen übriggeblieben, nach was sich der Gaumen weit früherer Generationen sehnte. Zitronat und Orangeat wird als Beispiel hierfür von dem Autor des von mir dier des öfterern zitierten mittelalterlichen Kochbuches, Peter Lutz, genannt. - "Das sind kandierte Schalen besonderer Zitronen- und Orangensorten - versteckt in Lebkuchen und Stollen." (Lutz, 2005, S. 100) Marzipan hat übrigens über die Jahrhunderte hindurch bestand gehabt (vgl. ebd.) - "eine (...) Mischung aus gemahlenen Mandeln und Zucker." (ebd.)
"Jedes mittelalterliche Mahl (sollte) immer mit Confect abschließen. Wie damals ist es einfacher, diese Genussmittel einzukaufen, als sie selber herzustellen." (ebd.)
Entfernen wir uns vom Zeitalter des Mittelalters hin zum Barock und entdecken die Schokolade. Um sich mit der Geschichte der Schokolade zu befassen, muss zunächst die Historie der Kakaobohne an sich besehen werden. Die Kakaopflanze, die bei den Mayas den Namen kawkaw trug, (vgl. Wikipedia, Kakao, Diskussion) und von den Atzteken cacahuatl genannt wurde gelangte schließlich nach der gewaltsamen Eroberung Mexikos durch die Spanier in 'die alte Welt'. (vgl. Schönfeldt, in Schuhmacher u. a., 1996, S. 7)
Die Kakaobohnen wurden bei Mayas und Azteken nach der Fermentation "geröstet, geschält und im Mörser zerrieben, zu faustgroßen Kugeln geformt, von denen man bei Bedarf ein Stück abbrach und mit kaltem Wasser verquirlte. Wer sonst nichts hatte, setzte etwas Maismehl zu. Wer es sich leisten konnte, süßte die Mischung mit Honig oder würzte sie mit Chillies." (ebd. S. 8) Aus diesem cacahuatl wurde xocolatl hergestellt, indem das kalte Wasser aufgeschlagen wurde, in dem der Kakaogrieß kurzfristig länger schwebte, als im cacahuatl. (vgl. ebd. S. 9) "'Xoco' heißt bitter und 'atl' Wasser." (ebd.) Bei den Mayas und Azteken wurde die Kakaobohne im Übrigen nicht nur als Nahrung, sondern auch als Zahlungsmittel verwendet. (vgl. ebd. S. 7) "Die Spanier (...) entwickelten eine Vorliebe für diesen neuen Trank." (Schönfeldt, in Schuhmacher u. a., 1996, S. 10) Sie "...ließen ihn jedoch nicht mehr mit kaltem, sondern mit kochendem Wasser aufgießen und quirlen." (ebd.)
"In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts" (ebd.) war Kakao bereits zu dem Getränk für die Reichen avanciert und so auch zum "Mittelpunkt der Damengesellschaft". (Schönfeldt, in Schuhmacher u. a., 1996, S. 10) "Zu dieser Collation versammelten sich die Damen am späten Nachmittag in großen, luftigen Sälen, Scharen von Kammerfrauen trugen Silberschüsseln herein, die mit trockenen Konfitüren gefüllt waren. Jede Süßigkeit war in Goldpapier eingewickelt, damit man sich Finger und Taschentuch nicht beschmutzte, und dazu wurde das junge Nationalgetränk, die Schokolade, herumgereicht." (ebd.) Hier eine zeitgenössische Aussage der Madame D'Aulnoy: Eine jede Tasse von Porzellan stand auf einer Untertasse von Achat, mit Gold eingefasst, wobei jedesmal eine Zuckerdose von gleicher Arbeit stand. Es war da Schokolade mit Eis, warme Schokolade und solche mit Eiern und Milch. Es gibt Frauenzimmer, welche sechs Tassen nacheinander trinken können." (zit. in Schönfeldt, in Schuhmacher u. a., 1996, S. 10, 11) Das neumoderne Getränke wurde mit allen verfügbaren Gewürzen versetzt, machmal sogar schon mit Zucker. Der Kakao wurde aber weiterhin mit Wasser getrunken. Etwas später konnte durch den Zusatz von Milch und Zucker der Kakao seine wahre Köstlichkeit erst wirklich entfalten. (vgl. ebd. S. 13)
"Wer auf die Idee kam (...) zart schmelzende (...) Schokolade zu machen, ist umstritten. Sicher ist jedoch, dass die Schokoladenmasse zuerst nur weiterhin dazu diente, ein Getränk herzustellen, ein Getränk für die Oberen Zehntausend, das im Barock an Fürstenhöfen, im Biedermeier aber in ganz Europa genossen wurde." (ebd.) 1708 wurde in einem Buch über Kakao geschrieben: "Die Schokolade ist eine Art feste Paste, welche aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt ist. Der Hauptbestandteil ist Kakao. Die anderen pflanzlichen Bestandteile sind Vanilleschoten, Zucker, Zimt, mexikanischer Pfeffer, Gewürznelken, einige fügen auch Orangenblütenwasser zu, Muskat oder dunkle Ambra. Die gute Schokolade ist diejenige, die nicht älter als zwei oder drei Monate ist und die keineSchimmelflecken aufweist und auch keine Altersflecken, noch durchlöchert oder angebohrt durch kleine Insekten, die sich in überalterter Ware entwickeln können. Sie darf nichts beim Verzehr an sich haben, was geschmacklich widerlich ist und die Gewürze zu stark vorschmecken lässt. Es ist außerdem notwenig, dass man beim Abkosten einen Geruch wahrnimmt, der nicht ranzig ist und nicht nach Säure schmeckt." (zit. in ebd.)
